Dokumente für ein professionelles Agenturbriefing
Zehn Empfehlungen aus der Praxis und eine Übersicht über die wichtigsten Informationsbereiche:
Die wichtigsten Informationsbereiche des Agentur-Briefings
In der Beziehung zwischen Werbungtreibendem und Werbeagentur gibt es Phasen,
deren Meisterung von größter Bedeutung für den Werbeerfolg ist. Eine solche
Phase ist zweifellos die Zeit zwischen der ersten Kontaktaufnahme und dem
Beginn der regelmäßigen, intensiven Zusammenarbeit an einem Projekt.
In dieser Zeitspanne muß der Werbungtreibende seine Probleme unmißverständlich
darlegen, seine Ziele, Mittel und Absichten klar umreißen. Aus seinen internen
Überlegungen und Entscheidungen entsteht schrittweise ein Informationspapier.
Unter der Bezeichnung "BRIEFING" dient es der Agentur als Basis zur
Ausarbeitung ihrer Lösungsvorschläge für das Werbekonzept. Art, Umfang und
Aufbereitung der im Briefing enthaltenen Informationen entscheiden maßgeblich
über Erfolg oder Mißerfolg.
Doch die "Qualität" eines Briefings offenbart sich nicht allein in der Fülle trockenen Datenmaterials. Wer seine Agentur zur Höchstleistung anspornen möchte, sollte einiges mehr beachten ....
1. Versuchen Sie "Briefing als Kür"
Briefing als Pflicht: Ein Briefing zu erarbeiten kostet Zeit,
erfordert Nerven und Geduld. Vordrucke, Checklisten und Kommunikations-Matrizen
verkürzen die Prozedur.
Aber: Briefing ist auch eine Chance. Die Chance nämlich, sich selbst gedanklich
zu organisieren, Prioritäten in der Werbung zu setzen und Werbeziele zu
formulieren.
Versuchen Sie den Weg der Mitte: Briefing als kreatives Instrument, als
"Plattform gemeinsamer Willensbildung" zwischen Ihnen und Ihrer (zukünftigen)
Werbeagentur.
2. Überwinden Sie interne Widerstände
Nicht selten treten innerhalb des Managements Unstimmigkeiten bei der
Definition von Zielen und bei der Festlegung von Prioritäten auf. Manchmal ist
sogar die Meinung anzutreffen, daß ein ausführliches Briefing ein gewisses
Risiko an "Informationsmißbrauch" in sich birgt. Solche Uneinigkeiten und
Vorbehalte führen zu "Verwässerungen" im Briefing, zu unklaren Vorstellungen
bei der Agentur und schließlich zu ineffizienten Strategien in Werbung und
Kommunikation.
Um solchen Fällen vorzubeugen, haben Sie als Verantwortlicher für das Briefing
vor dem externen Informationsprozeß einen internen Überzeugungsvorgang
durchzustehen.
Für den Erfolg Ihrer Tätigkeit ist beides gleichermaßen wichtig.
3. Erzählen Sie von Ihrer Firma
Es ist wichtig, daß Sie in der Rolle des späteren Auftraggebers, im
Agentur-Briefing nicht nur ein "Auftragspapier" oder eine Auflistung von
Einzelzielen sehen. Bedenken Sie, daß dieses Informationsinstrument zum
zentralen Anhaltspunkt für Spezialisten und kreative Mitarbeiter der Agentur
wird.
Versuchen Sie, diesen Leuten neben Produkt und Markt auch Ihr Unternehmen
nahezubringen. Begeistern Sie nicht nur für Ihre Ziele, für Ihre Absichten und
für Ihre Mittel, sondern auch für die Identität Ihres Hauses. Informieren Sie
beispielsweise darüber, wie kompetent Ihre Firma für spezielle Leistungen oder
Produkte ist. Sprechen Sie im Briefing auch über Tradition, Führungsstil,
Erscheinungsbild und über die Unternehmenskultur. Das Briefing soll auch das
Selbstverständnis Ihrer Firma zum Ausdruck bringen.
4. Schätzen Sie Ihre Kapazitäten richtig ein
Ein Briefing ist keine Wunschliste.
Sie sollten die Konzentration der Agentur nicht allzusehr vom Wesentlichen
ablenken. Fragen Sie sich vielmehr, ob Sie selbst intern die nötigen
Kapazitäten aufbringen, falls Ihre Vorhaben ein gewisses Maß überschreiten.
5. Achten Sie auf das Prinzip "Situation - Ziel - Weg"
Das Wesentliche eines praxisgerechten Kommunikations- Briefings liegt
in der direkten Verknüpfung zwischen den Zielen und den nachfolgenden
Maßnahmen.
Nur wenn Sie von Ihrer aktuellen Lage ausgehen und kompromißlos auf Ihre Ziele
schließen, können Sie zusammen mit einer guten Agentur die richtigen Maßnahmen
entwickeln.
Nur auf diese Weise kommen Sie auch zur richtigen Einschätzung der notwendigen
finanziellen Mittel für Ihre Werbung. Die übliche kalkulatorische Ableitung des
Werbe-Etats aus Ihrem Marketing-Plan oder die Fortschreibung bisheriger
Aufwendungen sollten Sie als nicht-optimale Lösungen verwerfen.
6. Suchen Sie den Dialog
Die Agentur "briefen" ist ein heikler Prozeß. Stellen Sie sich auf
einen Dialog mit jenen Leuten ein, die Ihre Vorgaben analysieren, umsetzen und
weiterverarbeiten müssen.
Übermitteln Sie das fertige Agentur-Briefing nicht einfach per Post - erörtern
Sie das Papier in einem "Briefing-Gespräch" mit den kompetenten
Agenturvertretern.
Für den Fall, daß Sie mehrere Agenturen mit der gleichen Aufgabestellung
konfrontieren, führen Sie am besten Einzelgespräche. Das fördert den Ideenfluß
und das gegenseitige Kennenlernen. Eine einzige "Briefing-Konferenz" mit
mehreren Agenturen zusammen erspart Ihnen nur einmal Zeit. Sie verlieren sie
wieder durch intensiveres Nachfassen seitens der Agenturen. Versuchen Sie,
erreichbar zu sein, wenn die Phase der Rückfragen einsetzt. Das können Sie
steuern, wenn Sie von vornherein eine gewisse Zeitspanne dafür vereinbaren.
Denken Sie bitte daran, daß es für die Mitarbeiter der Agentur kaum ein
frustierenderes Erlebnis gibt, als mit einem frischen Briefing alleingelassen
zu werden.
7. Helfen Sie, Mißverständnisse zu vermeiden
In vielen Fällen wird das Briefing agenturintern so neu gegliedert,
daß verschiedene Stellen danach arbeiten können. Geben Sie den Agenturleuten
die Möglichkeit, so entstandene interne Arbeitspapiere mit Ihnen zu besprechen.
Auf diese Weise entstehen gemeinsam abgestimmte Leitfäden ohne
Mißverständnisse.
8. Setzen Sie Maßstäbe, nennen Sie Termine
Machen Sie in Ihrem Briefing deutlich, welche Leistungen in welcher
Form Sie von der Agentur erwarten. Geben Sie Anhaltspunkte, wie Sie die
erbrachten Leistungen beurteilen werden.
Die Erstellung kreativer Leistungen benötigt angemessene Zeit. Terminisieren
Sie die einzelnen Leistungsstufen im Einvernehmen mit den Vertretern der
Agentur und machen Sie die Termine zum Bestandteil des Briefings.
9. Stehen Sie zum Briefing
Nicht selten ändern Auftraggeber knapp vor der Präsentation ihre
Haltung zum Briefing.
Ein gewisser Spielraum in der Interpretation der Vorgaben ist
selbstverständlich nie zu umgehen.Stellt sich jedoch heraus, daß der
Auftraggeber seine Ziele gravierend geändert hat, so gebietet das Prinzip der
Fairneß, daß der Agentur Zeit und Mittel zugestanden werden, um ihre
Lösungsvorschläge der neuen Situation anzupassen.
10. Honorieren Sie Leistung und Professionalismus
Wer Agenturen brieft und präsentieren läßt, erwartet professionelle
Spitzenleistung und Engagement.
Bringen Sie daher dafür Verständnis auf, daß Einsatz und Wissen von
hochkarätigen Fachleuten Anspruch auf Honorierung haben. Werbeagenturen können
nicht "ab Lager" liefern. Jede Konzeption erfordert die volle Konzentration
eines Teams über einen längeren Zeitraum. Vereinbaren Sie daher zeitgerecht -
möglichst bevor mit der Agenturarbeit begonnen wird - die entsprechende
Vergütung für die Agenturleistungen bis zur Präsentation.
Die wichtigsten Informationsbereiche des Agentur-Briefings
Produkt
Wodurch hebt es sich vom Wettbewerbsprodukt ab?
- Weitere Stärken
- Neuheitsgrad
- Preis
- Schwachpunkte
Markt
- Marktvolumen
- Marktanteile
- Marktentwicklung
- Konkurrenzsituation
Vertrieb
- Grundsätzliche Vertriebsstrategie
- Vertriebskanäle und Warenplazierungen
- Distributionsbreite, Distributionsnutzung
- Verkaufsförderungsmaßnahmen
Zielgruppen
- Soziodemografische Merkmale
(Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen) - Konsumverhalten
- Anzusprechende Einstellungen
- Lebensstil
- Freizeitverhalten
Wettbewerb
- Stärken
- Schwächen
- Image beim Absatzmittler
- Image in den Zielgruppen
Argumentationsschwerpunkte
- Preiswürdigkeit
- Preis-/Leistungs-Verhältnis
- Nutzen für den Käufer
- Prestige, Komfort
- Neuartigkeitchwächen
- Referenzen
- Hersteller-Bonus
Design-Grundsätze und -Vorgaben
- Firmenlogo
- Erscheinungsbild allgemein
- Firmenfarbe(n)
- Schriften
- Gestaltungs-Leitlinien
- Schriften
Kommunikationsstil (Vorgaben)
- Persönlich
- Unterhaltsam
- Dokumentarisch, plakativ
- Informativ
- Aggressiv
- Emotionell
- Betont glaubwürdig
Medien-Mix bisher
- Reichweiten
- Kontaktfrequenz
- Anmutung







